Ist Achtsamkeit die neue Nachhaltigkeit?

Das Weltwirtschaftsforum in Davos begann mit Mindfulness Based Stress-Reduction (MBSR) – kurz Achtsamkeitsmeditation. Die mächtigsten Politiker und Wirtschaftsführer sollten mit Hilfe dieser dieses Programm-Punktes „emotionale Intelligenz“ erlernen. Sie glauben das nicht? Googeln Sie den Begriff „Mindfulness“ und Sie erhalten 34 Millionen Treffer!

Google war auch der Vorreiter für diesen Trend in seiner Zentrale: „Search inside yourself“ hilft, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, die Konzentration zu erhöhen und letztendlich den Unternehmenserfolg zu steigern.

In Los Angeles können Schüler an frei wählbaren unterschiedlichen Meditationskursen teilnehmen. Und eine New Yorker Konzerthalle war für eine Veranstaltung genannt „The Big Quiet“ ausverkauft.

Man findet hunderte von Apps zum Thema Meditation und Mindfulness.Im Bereich der Zeitschriften gibt es das lange bekannte „Landlust“, aus Holland „Flow“, vom Emotion Verlag „Slow“. Es gibt „Happinez“, „Mindart“, „Harmony“ und wahrscheinlich in Zukunft noch jede Menge neue Titel.

Und so beschrieb es eine große deutsche Tageszeitung:
„Wenn selbst Mercedes seinen Mitarbeitern Mail-Zwangspausen und digitalen Urlaubs-Absentismus verordnet, dann ist das Thema Achtsamkeit in der Mitte der Wirtschaft angekommen. Der Pharmakonzern Genentech startete unlängst ein ehrgeiziges Mindfulness-Programm für seine Mitarbeiter. Intel und SAP erhöhten mit einem ähnlichen Versuch die seelische Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter. Bei diesen Programmen geht es nicht nur um Yoga oder Rückengymnastik. Es geht um die kognitive Selbst-Wirksamkeit. Wir dürfen gespannt sein, wann Google vom Googeln abrät. Schon heute propagiert ja Larry Page das Abschalten des Mobiltelefons beim Essen.“

Die Altersgruppe der 15 –  30jährigen empfindet sich als die „Reizüberfluteten und Entscheidungsgestörten“. 80 Prozent fühlen sich ständig unter Zeitdruck – Generation Burnout. Die Anzahl der psychischen Erkrankungen hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Diese ständige Überforderung birgt zusätzliches Konfliktpotenzial.

Achtsamkeit ist deshalb der Gegentrend zu den täglichen Fragen: Ob und wie werde ich wahrgenommen? Wie kann ich interessant wirken? – der große Wunsch nach sozialem Feedback und dem dadurch entstehenden Druck. Sehe ich den „gefällt“ Button für mein Bild schüttet das Gehirn Dopamin aus – das im Volksmund bekannte „Glückshormon“. Und ich will mehr Bestätigung, mehr Belohnung – ein Teufelskreis!

Für den Zukunftsforscher Horx ist deshalb der Trend zu mehr Achtsamkeit „die Gegenbewegung zur digitalen Verdichtung und Beschleunigung“. Achtsamkeit unterscheidet sich von Nachhaltigkeit in der Handlung. Sie ist sehr stark auf eigene Bedürfnisse ausgerichtet und bedeutet, dass wir lernen, uns in dieser technologischen, reizüberfluteten, komplexen Welt auf uns selbst zu besinnen. Wir stehen selbstbewusst zu unseren Schwächen und lernen, uns erreichbare Ziele selbstbewusst zu setzen (und nicht hinterherzujagen).

Ich schreibe hier nicht über Spiritualität oder Esotherik, sondern über fundamentale Veränderungen, ja einen entscheidenden Paradigmenwechsel – von der Personalführung bis zum Produktionsprozess (Cradle-to-Cradle) und damit über viel mehr als Nachhaltigkeit! Sie wird meiner Ansicht nach ersetzt durch den Trend Achtsamkeit.

Achtsamkeit impliziert auch eine für Deutsche etwas fremde Sichtweise: in den Problemen die Lösungen zu sehen!

Bildquelle: Colourbox ID #4647262

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