Kein Märchen: Alibaba – der aggressive Räuber im Handel

Digitalisierung spielt sich in unseren Köpfen meist im Silicon Valley ab. Doch nur wenige haben den Weltkonzern in Sachen Handel auf der Agenda: Alibaba. Oft wird Alibaba mit Amazon verglichen, von der Größe her stimmt das, vom Geschäftsmodell weniger. Alibaba war bisher eine Plattform, die ausschließlich andere Händler mit Endkonsumenten verbindet. Sehr erfolgreich – jedoch soll sich auch das nun ändern!

Alibaba – Onlinegigant nach 18 Jahren

Die Alibaba Group wurde 1999 unter der Führung von Jack Ma gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen mit Sitz im chinesischen Hangzhou mehr als 46.000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2016 lag der Umsatz bei über 15 Milliarden US-Dollar. Mit dem geplanten Engagement in Europa könnte das Unternehmen langfristig eine Bedrohung für Amazon und Ebay werden.

Das Geschäftsmodell funktioniert

Wie erfolgreich solche Geschäftsmodelle sind, sieht man an dem extremen Aufstieg von Airbnb, das sich zum inzwischen weltweit größten Übernachtungsanbieter entwickelt hat, ohne je eigene Zimmer vorhalten zu müssen. Das Gleiche gilt für Uber – ein Mobilitätsanbieter ohne zugehörige Autoflotte.

Wenn man die Umsätze zwischen Händlern und Konsumenten anschaut, wird die schiere Größe von #Alibaba klar: Der Wert der Warenverkäufe im Jahr 2016 war größer als bei Amazon und Ebay zusammen!

Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas genauer hinzuschauen, welche Marken hinter dem Konzern mit dem märchenhaften Namen stecken! Denn mit seiner tmall.com lockt der Konzern inzwischen auch deutsche Unternehmen an!

Große Deutsche Unternehmen nutzen Alibaba als Wachstumsmotor

Wussten Sie, dass Haribo, WMF und Zalando schon lange zu den Unternehmen gehören, die die Plattform tmall.com nutzen? Deutsche Markenqualität ist in China gefragt! So hat Windeln.de im vergangenen Jahr einen Netto-Umsatz von über 55,7 Mio. Euro mit Kunden aus China gemacht.

Und wer hätte gedacht, dass die dm-Marke Balea zu den beliebtesten Körperpflege-Produkten in China gehört?

Auch die Metro-Group gab eine strategische Partnerschaft mit der Alibaba-Group bekannt, kein Wunder: Ist doch ihre H-Milch mehr als beliebt in China.

In der Runde der Großen startet Aldi Süd – heißt dort „Aoleqi“ – in China und verkauft seine Waren wie Wein, Schokolade und Nüsse über TMall nicht gerade zu Discount-Preisen. Eine Flasche Wein kostet 20 Euro + Versandkosten.

Besonders gefragt sind in China Babynahrung, Nahrungsergänzung, Pflege- und Schönheitsprodukte sowie Elektronik aus Deutschland.

Deshalb betrieb Bosch schon seit 2010 vier Flagship-Stores auf Tmall und konnte 2016 den Brutto-Warenumsatz um 60% auf 290 Millionen US-Dollar steigern. Durch die neue strategische Partnerschaft mit Alibaba will Bosch auch in die Bereiche Internet of Things (IoT), Cloud Computing und Künstliche Intelligenz (KI) einsteigen.

Mit Alipay Deutschland erobern

Crazy Jack – wie Jack Ma, der Gründer von Alibaba genannt wird – plant über die Hälfte des Umsatzes außerhalb seines Heimatlandes! Deshalb treibt er die Innovationen in seinem Unternehmen voran. Eine davon ist Alipay, eine Tocher von Alibaba. Das Unternehmen ist auf bargeldlose Zahlungsabwicklung spezialisiert. Mit 450 Millionen Kunden bewegt Alipay ein jährliches Transaktionsvolumen von 800 Milliarden Euro. PayPal setzt gerade mal ein Drittel davon um!

Jack Ma setzt damit auch die heimischen Banken unter Druck, die bisher nur Apple, Google oder Amazon auf dem Schirm hatten. Denn seit ein paar Wochen können chinesische Touristen ihr Smartphone zücken, wenn sie Kosmetik und Milchpulver bei der Drogeriemarktkette Rossmann kaufen. Da ist es kein Zufall, dass auch die Deutsche Bank im gleichen Zeitraum mit einer Smartphone-App bargeldloses Bezahlen ermöglicht!

Alipay kooperiert mit Concardis, einem Hersteller von Kartenlesegeräten, sowie dem Bankdienstleister Wirecard. Dadurch ist Alipay in einer Vielzahl an Geschäften bereits verfügbar. Mit dem Münchner Flughafen oder dem Edelkaufhaus Harrods kooperiert Alipay direkt.

Alibaba wird die Gelegenheit nutzen, diesen Service und damit auch den Markt zum deutschen Endkonsumenten hin zu erweitern!

Made in Germany – wichtig für das Geschäft?

Warum ist Deutschland für Jack Ma so wichtig? „Wenn man schon nicht sagen kann „made in Germany“, dann ist wenigstens ‚listed in Germany‘ die Devise“, berichtet Yi Sun, zuständig für das China-Geschäft bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Umgekehrt ist es für deutsche Unternehmen wichtig, am Wachstumsmarkt in China teilzuhaben. Denn Deutschland ist eines der erfolgreichsten Länder auf dem Marktplatz Tmall. Unter 235 Ländern am größten Shopping-Event, dem Singles Day am 11.11.2016, war Deutschland unter den Top 5 der Länder, die am meisten Waren nach China verkauft haben.

Doch der Plan von Jack Ma ist größer ausgelegt: Akquisitionen in sensiblen Bereichen wie z.B. dem Messenger-Start-Up TangoMe und Investitionen in den Chauffeurdienst Lyft zeigen eine weltweite Strategie! Lyft ist ein großer Konkurrent von Uber, bei dem übrigens Google eingestiegen ist, und der einen Lieferservice anbietet. Lyft jedoch hat das Zeug, die weltweite Lieferplattform für chinesische Onlinehändler zu werden. Welche Rolle spielt da noch Deutschland – außer beim Imagetransfer für deutsche Produkte?

„Ich habe vor niemandem Angst“, sagt Jack Ma. Yahoo, Ebay oder Google – bislang habe Alibaba noch jeden „Räuber“ im eigenen Reich besiegt.

 

 

 

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